Der Krippenbau: modus operandi
Wenn man ein Krippenspiel besucht, erfasst man selten, wie viele Arbeit dahinter steht. Hier möchten wir Ihnen kurz die vielen erforderlichen Handwerkstätigkeiten zeigen, die für den Bau einer Krippe erforderlich sind (auf italienisch). Sie werden fast ein „presepiatt“ sein mögen...
Die Idee
Die Bühnengestaltung
Das Arbeitsklima
Die traditionellen Krippen
Die letzte Vorbereitungen
Zum Schluss...
Die Idee
Während die aktuelle Veranstaltung läuft,
wird normalerweise die Bühnenidee für die kommende Veranstaltung reif.
Eine ganz zufällig vorgeschlagene Idee, die Lektüre eines Textes,
ein Photo eines malerischen Winkel oder eines Panoramas sind mögliche Eingebungen
für das was nächstes Arbeitsthema werden könnte. Dieses wird
monatelang durchdacht, bearbeitet und in der Fantasie umgesetzt bis zum nächsten
August, wo wir uns treffen, um Entwürfe abzuwägen und die jeweiligen
Realisierungsmöglichkeiten zu besprechen. Am Ende wird – nach langen
Debatten – ein Thema gewählt. Es wird auch bereits vorgeschlagen,
welchem Leitfaden die Geschichte folgen soll.
Es scheint also alles simpel zu sein, aber in Wirklichkeit gibt es viele Probleme
mit denen man rechnen muss. Struktur und Drehbuch dürfen nicht auseinander
gehen; ausserdem findet man nicht immer gleich einen passenden Teil des Evangeliums,
der mit seiner Botschaft die Handlung zur Geburt Christi führt. Immer wieder
ist das Risiko da, sich bei Dialogen, Szenen und Ambiente zu wiederholen. Sobald
das zu entwickelndende Thema und die zu schaffende Bühnengestaltung bestimmt
wurde, kann die Arbeit beginnen.
Der Aufbau der Bühne fängt gewöhnlich Mitte September an; gleichzeitig
beginnt die kleine Gruppe der Drehbuchautoren, sich die Geschichte auszudenken
und das Drehbuch zu schreiben, das die Veranstaltung führt. Sobald die
Dialoge feststehen, wird die dazu passende Musik ausgewählt, um die verschiedenen
Szenen zu begleiten; dann werden die Stimmen der jeweiligen Rolle zugewiesen
und und für das Playback registriert. Das Ganze dauert mehrere Arbeitsmonate.
Die Bühnengestaltung
Der ausgewählte Entwurf wird zur Bauzeichnung: auf diesem
sind die Umrisse eingezeichnet, um die Ausmasse der Bühne und der wichtigsten
Gebäude auf dem Feld zu platzieren. Sobald die ungefähre Größe
und Breite der Bauten bestimmt ist, die auszuführende Arbeit kann anfangen.
Zuerst wird das Material des vorherigen Jahres aus dem Lager geholt. Das Tragwerk
besteht auf Eisenständern und Telefonleitungspfähle, die seit einigen
Jahren zusammengetragen wurden. Man baut dann Gebäudestrukturen und andere
architektonische und landschaftliche Bestandteile, wie z. B. Brücken, Mühlen,
Seen, Gebirge, ...
Diese Arbeit stellt die Basis des ganzen "Unternehmens" da und ist
körperlich die schwerste und projektmäßig sehr anstrengend.
Die Grundstrukturen der Bühnengestaltung müssen so geplant werden,
dass sie auch schweren Schnee und das Gewicht von vielen Besuchern tragen können.
Gleichzeitig wird die Tribüne aufgebaut, wo die Besucher Platz finden werden;
diese besteht aus Stahlträgern und kann in relativ kurzer Zeit auf- und
abgebaut werden. Während die letzten Vorstellungen wurde die Tribüne
auch abgedeckt, um ein komfortableres Zuschauen zu ermöglichen. Dazu wurden
lange Träger benützt, um die 12 Meter breite Tribüne zu decken.
Neben dieser Arbeit werden die Baumaterialen ausgesucht: wir kontaktieren lokale
Firmen, die zu entsorgendes Holz und Verpackungsmaterial zur Verfügung
stellen, wir suchen Tuche, Stoffe, Säcke und wir verwenden Kunststoffrollen
wieder - alles was von Nutzen sein kann.
Weiter geht es mit der Ergänzung der Grundstruktur: wir fertigen die Dächer
traditionell mit Balken und Dachziegeln an, wir schaffen Wände, Türe
und Arkaden, wir bauen Balkone und Treppen, letztere meist aus Holz. Dank einer
langjährigen erprobten und gereiften Technik, decken die geschicktesten
„Presepiatts“ die Gebäudeholzstrukturen mit einem im Zement
getränkten Tuch: das überraschende Ergebnis ist, dass diese provisorischen
Wände echten Mauern sehr ähnlich sehen. Diesen müssen dann bemalt
und dekoriert werden. Die geschickten Künstler schaffen malerische Winkel
und Kulissen, geben der Bühnengestaltung Tiefe und Breite, malen Fresken
auf die Häuserwände, so dass alles der Realität unserer Dörfer
möglichst nahe kommt.
Während diese Arbeiten durchgeführt werden, denkt man auch an die
elektrische Anlage: diese erlaubt Lichtstimmungen zu schaffen, um die verschiedene
Momente der Vorstellung zu betonen. Alles wird aus der Regiekabine geleitet.
Nicht selten in der Bühnengestaltung ist auch das Gebrauch von Wasseranlagen:
die Wirkung von Brunnen und Wasserspielen ist immer sehr beeindruckend; man
darf aber die Probleme des gefrierenden Wassers nicht vergessen!
Der letzte Akt heißt Gegenstände der jeweiligen Epoche aufzufinden
(Ackergeräte, Kücheneinrichtungsgegenstände, Fässer, usw.);
diese sind notwendig um die Bühne, die Räume und die Arkaden realistischer
erscheinen zu lassen. Auch diese Arbeit ist sehr wichtig, denn damit wirkt die
Szene viel glaubhafter.
Die ganze Bühnengestaltung ist also sehr umfassend, lässt aber viel
Raum für die persönliche Fantasie.
Das Arbeitsklima
Das Überleben der Veranstaltung nach vielen Jahren ist
zweifellos dem leidenschaftlichen Zusammenhalt der Mitarbeiter zu verdanken.
Eine aufrechte freundschaftliche Stimmung ist entstanden, nicht ohne einige
Auseinandersetzungen, die jedoch sofort mit Begeisterung und gutem Willem überwunden
werden. Dank der Großzügigkeit einiger Frauen fehlt hier nie eine
Tasse Kaffee oder ein Gläschen Wein. Man muss auch betonen, dass viele
Einwohner von Venegono, die nicht aktiv mitarbeiten können, durch das Spenden
von Nahrungsmitteln mithelfen: nicht selten kann man Freunde sehen, die Kuchen,
Salami, Weinflaschen oder vielleicht sogar ein Paar großen Korbflaschen
(gut um die Arbeiter bei schlechtem Wetter aufzuwärmen) mitbringen.
Harmonie, Begeisterung und Freundschaft ermöglichen das Schaffen der sonst
schwer vorstellbaren Werke. Der Tag, an dem das nicht mehr so sein würde,
wäre wahrscheinlich das Ende des Krippenspiels.
Ein typisches Beispiel der Arbeitsweise der "Krippenbauer" kann aus
dem Bericht eines Gelegenheitsreporters entnommen werden, der im November 1994
in der Zeitschrift Venegonese schreibt: „Ich habe etwa zwanzig mit der
Arbeit eifrig beschäftigen Presepiatts vor mir: die die hämmern, die
sägen, die schweissen, die messen, die aufräumen, niemand bleibt untätig:
Wie durch Zauberhand geschaffen,ragen Pfähle hervor, Dächer decken
sich, Häuschen, Gassen, Bogen und Hoftüren nehmen Gestalt an... Stimmen
kreuzen sich, Rufe, Befehle, Neckereien, ungezwungene lustige Witze antworten
auf den Satz von diesem oder auf den unfreiwilligen Fehler von jenem... Dann
kommt die Arbeitspause um das Feuer herum, mit einem Brötchen und ein gutem
Gläschen Wein. Mir wurde erklärt, wie die Verpflegung manchmal hier
ankommt, von jemanden der nicht mitarbeitet, der aber trotzdem auf seine Art
und Weise mitmachen will. Ich bin im Laufe der Woche zurückgekommen: die
selbe Bühne, neue Schauspieler. Jetzt ist es die Rentnerabteilung, die
die Arbeit weiterführt. Eine etwas ruhigere Stimmung, jedoch nicht weniger
kreativ und fruchtbar. Vielleicht ändern sich die Gespräche: die sind
ruhiger, manchmal sogar eher zu ernst, man spricht über Kinder, Enkel,
Gesundheit, Familienprobleme. Die Erinnerungen an die zurückliegenden Arbeiten,
an die gebrachten Opfer, an das harte frühe Aufstehen kehren zurück.
Man vergleicht Erfahrungen, während jemand sorgenfrei singt. Während
gestikuliert wird, schreit die Trennscheibe auf, der Hammer schlägt, der
Zement wird gegossen, und das Ergebnis ist wertvoller denn je“.
Das funktionierende Zusammenspiel mit dem, der das Drehbuch vorbereitet hat
und denjenigen, die neue Lösungen suchen und mit viel Phantasie neue Effekte
schaffen, ermöglicht die neue Veranstaltung. Diese ist am Abend den 24.
Dezember für den morgigen Tag bereit. Dazu muss man auch erwähnen,
dass am Nachmittag des 1. Weihnachtstages (während man normalerweise noch
bequem am Tisch sitzt) etwa dreißig Presepiatts pünktlich zur Erstaufführung
erscheinen, manchmal noch mit einem Stück Panettone in der Hand...
Die traditionellen Krippen
Der andere wichtige, typische weihnachtliche Teil
des Brauchtums sind die traditionellen Krippen. Seit der ersten Veranstaltung
werden neben dem Live-Krippenspiel statische Krippenmodelle aufgebaut, welche
der Tradition aus Bergamo folgen. Oft bezieht sich das Thema dieser Krippen
auf das der Aufführung, so entstehen Kontinuität und Zusammenhang
zwischen den beiden Teilen.
In den letzten Zehn Jahren wurden diese Modelle in einer dafür vorgesehenen
Halle aufgebaut, durch die die Zuschauer am Ende der Aufführungen geführt
werden. Die verschiedenen Schöpfer dieser Krippe ergänzen sich wunderbar:
der sorgfältige Gestalter der originellen Kulissen und der leidenschaftliche
Modellbauer der Holznachbauten von berühmten Denkmalen. Ihr handwerkliches
Können erlaubt es, zusammen mit der geschickten Licht- und Wasserführung,
ein klassisches, von den Zuschauern bewundertes und beneidetes Krippenspiel
zu gestalten, dessen unzählige Details lange betrachtet werden.
Der Bau dieser Krippe dauert beinahe genauso lang wie der Bau der Bühne
des Live-Krippenspiels.
Die letzte Vorbereitungen
Während die letzten Sachen bei der Zsene zu Ende gebracht
werden, muss man noch nach vielen Details überlegen, z.B. wie man eine
lebendige Krippe lebendig macht!
Einige Tage vorher fuhren wir einige Proben um die Bewegungen der Schauspielern
mit dem leitenden Text zu synchronisieren: neulich haben wir komplexere Bühnegestaltungen
hinzugefügt und man muss die Szenenwechseln koordinieren und die Gestaltungen
für das Playback perfekt vorbereiten.
Ein weiteres Problem heißt... die Familien zu überzeugen, die in
jenem Jahr ein Sohn getauft haben, die Heilige Familie darzustellen. Jeden Tag
gibt es etwa zwölf Vorstellungen jeden vier Stunden und wir brauchen die
Zeiten von möglichst mehr Familien zu koordinieren, um ihre Verpflichtung
nicht zu belasten. Man muss hier auch sagen dass kein Christuskind jemals krank
geworden ist, obwohl die Kinder mit beißender Kälte oder sogar Schnee
aufführen!
Unter den Leuten, die nie auf der Bühne zu sehen sind, gibt es diejenige
die Kostümen und Magenverstärkung für die Schauspielern vorbereiten,
die Besucher willkommen heißen und den Weg vom Parkplatz bis zur Tribüne
zeigen.
Eine weitere tägliche Arbeit heißt, die vielen Tiere zu versorgen:
den Esel, den Ochse, die Schafe, die Ziegen, die Küchen, die Hennen, die
Kaninchen und manchmal auch die Schweine. Wir verfügen über Stallknechte,
die diese Ausgabe gerne erfüllen und die die Tiere so gerne haben, dass
sie ihnen einen Namen geben...
Zum Schluss...
Aber es ist noch nicht alles!
Am zweiten Sonntag im Januar enden die Veranstaltungen und man muss die ganze
Struktur ausbauen und das Material ordentlich einlagern. Normalerweise bis ende
Februar ist das Feld komplett frei, wo die Krippe gebaut wurde.
Man kann deutlich verstehen wie die „Krippe-Maschine” ziemlich kompliziert
ist, aber die Begeisterung überwindet immer die Schwierigkeiten und hat
das Krippenspiel von Venegono Inferiore erlaubt, einen hoch Qualitätstand
zu behalten. Jedes mal, wenn wir denken, die beste Qualität erreicht zu
haben, schaffen wir es immer, etwas noch spektakulärer vorzustellen. Die
Wertschätzung des Publikums, das unsere Krippe jedes Jahr besucht, ist
das Beweis dafür.