Donnerstag
09 September 2010
 

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Der Krippenbau: modus operandi

Wenn man ein Krippenspiel besucht, erfasst man selten, wie viele Arbeit dahinter steht. Hier möchten wir Ihnen kurz die vielen erforderlichen Handwerkstätigkeiten zeigen, die für den Bau einer Krippe erforderlich sind (auf italienisch). Sie werden fast ein „presepiatt“ sein mögen...

Die Idee
Die Bühnengestaltung
Das Arbeitsklima
Die traditionellen Krippen
Die letzte Vorbereitungen
Zum Schluss...

Die Idee

Während die aktuelle Veranstaltung läuft, wird normalerweise die Bühnenidee für die kommende Veranstaltung reif. Eine ganz zufällig vorgeschlagene Idee, die Lektüre eines Textes, ein Photo eines malerischen Winkel oder eines Panoramas sind mögliche Eingebungen für das was nächstes Arbeitsthema werden könnte. Dieses wird monatelang durchdacht, bearbeitet und in der Fantasie umgesetzt bis zum nächsten August, wo wir uns treffen, um Entwürfe abzuwägen und die jeweiligen Realisierungsmöglichkeiten zu besprechen. Am Ende wird – nach langen Debatten – ein Thema gewählt. Es wird auch bereits vorgeschlagen, welchem Leitfaden die Geschichte folgen soll.
Es scheint also alles simpel zu sein, aber in Wirklichkeit gibt es viele Probleme mit denen man rechnen muss. Struktur und Drehbuch dürfen nicht auseinander gehen; ausserdem findet man nicht immer gleich einen passenden Teil des Evangeliums, der mit seiner Botschaft die Handlung zur Geburt Christi führt. Immer wieder ist das Risiko da, sich bei Dialogen, Szenen und Ambiente zu wiederholen. Sobald das zu entwickelndende Thema und die zu schaffende Bühnengestaltung bestimmt wurde, kann die Arbeit beginnen.
Der Aufbau der Bühne fängt gewöhnlich Mitte September an; gleichzeitig beginnt die kleine Gruppe der Drehbuchautoren, sich die Geschichte auszudenken und das Drehbuch zu schreiben, das die Veranstaltung führt. Sobald die Dialoge feststehen, wird die dazu passende Musik ausgewählt, um die verschiedenen Szenen zu begleiten; dann werden die Stimmen der jeweiligen Rolle zugewiesen und und für das Playback registriert. Das Ganze dauert mehrere Arbeitsmonate.


Die Bühnengestaltung

Der ausgewählte Entwurf wird zur Bauzeichnung: auf diesem sind die Umrisse eingezeichnet, um die Ausmasse der Bühne und der wichtigsten Gebäude auf dem Feld zu platzieren. Sobald die ungefähre Größe und Breite der Bauten bestimmt ist, die auszuführende Arbeit kann anfangen.
Zuerst wird das Material des vorherigen Jahres aus dem Lager geholt. Das Tragwerk besteht auf Eisenständern und Telefonleitungspfähle, die seit einigen Jahren zusammengetragen wurden. Man baut dann Gebäudestrukturen und andere architektonische und landschaftliche Bestandteile, wie z. B. Brücken, Mühlen, Seen, Gebirge, ...
Diese Arbeit stellt die Basis des ganzen "Unternehmens" da und ist körperlich die schwerste und projektmäßig sehr anstrengend. Die Grundstrukturen der Bühnengestaltung müssen so geplant werden, dass sie auch schweren Schnee und das Gewicht von vielen Besuchern tragen können. Gleichzeitig wird die Tribüne aufgebaut, wo die Besucher Platz finden werden; diese besteht aus Stahlträgern und kann in relativ kurzer Zeit auf- und abgebaut werden. Während die letzten Vorstellungen wurde die Tribüne auch abgedeckt, um ein komfortableres Zuschauen zu ermöglichen. Dazu wurden lange Träger benützt, um die 12 Meter breite Tribüne zu decken.
Neben dieser Arbeit werden die Baumaterialen ausgesucht: wir kontaktieren lokale Firmen, die zu entsorgendes Holz und Verpackungsmaterial zur Verfügung stellen, wir suchen Tuche, Stoffe, Säcke und wir verwenden Kunststoffrollen wieder - alles was von Nutzen sein kann.
Weiter geht es mit der Ergänzung der Grundstruktur: wir fertigen die Dächer traditionell mit Balken und Dachziegeln an, wir schaffen Wände, Türe und Arkaden, wir bauen Balkone und Treppen, letztere meist aus Holz. Dank einer langjährigen erprobten und gereiften Technik, decken die geschicktesten „Presepiatts“ die Gebäudeholzstrukturen mit einem im Zement getränkten Tuch: das überraschende Ergebnis ist, dass diese provisorischen Wände echten Mauern sehr ähnlich sehen. Diesen müssen dann bemalt und dekoriert werden. Die geschickten Künstler schaffen malerische Winkel und Kulissen, geben der Bühnengestaltung Tiefe und Breite, malen Fresken auf die Häuserwände, so dass alles der Realität unserer Dörfer möglichst nahe kommt.
Während diese Arbeiten durchgeführt werden, denkt man auch an die elektrische Anlage: diese erlaubt Lichtstimmungen zu schaffen, um die verschiedene Momente der Vorstellung zu betonen. Alles wird aus der Regiekabine geleitet.
Nicht selten in der Bühnengestaltung ist auch das Gebrauch von Wasseranlagen: die Wirkung von Brunnen und Wasserspielen ist immer sehr beeindruckend; man darf aber die Probleme des gefrierenden Wassers nicht vergessen!
Der letzte Akt heißt Gegenstände der jeweiligen Epoche aufzufinden (Ackergeräte, Kücheneinrichtungsgegenstände, Fässer, usw.); diese sind notwendig um die Bühne, die Räume und die Arkaden realistischer erscheinen zu lassen. Auch diese Arbeit ist sehr wichtig, denn damit wirkt die Szene viel glaubhafter.
Die ganze Bühnengestaltung ist also sehr umfassend, lässt aber viel Raum für die persönliche Fantasie.


Das Arbeitsklima

Das Überleben der Veranstaltung nach vielen Jahren ist zweifellos dem leidenschaftlichen Zusammenhalt der Mitarbeiter zu verdanken. Eine aufrechte freundschaftliche Stimmung ist entstanden, nicht ohne einige Auseinandersetzungen, die jedoch sofort mit Begeisterung und gutem Willem überwunden werden. Dank der Großzügigkeit einiger Frauen fehlt hier nie eine Tasse Kaffee oder ein Gläschen Wein. Man muss auch betonen, dass viele Einwohner von Venegono, die nicht aktiv mitarbeiten können, durch das Spenden von Nahrungsmitteln mithelfen: nicht selten kann man Freunde sehen, die Kuchen, Salami, Weinflaschen oder vielleicht sogar ein Paar großen Korbflaschen (gut um die Arbeiter bei schlechtem Wetter aufzuwärmen) mitbringen.
Harmonie, Begeisterung und Freundschaft ermöglichen das Schaffen der sonst schwer vorstellbaren Werke. Der Tag, an dem das nicht mehr so sein würde, wäre wahrscheinlich das Ende des Krippenspiels.
Ein typisches Beispiel der Arbeitsweise der "Krippenbauer" kann aus dem Bericht eines Gelegenheitsreporters entnommen werden, der im November 1994 in der Zeitschrift Venegonese schreibt: „Ich habe etwa zwanzig mit der Arbeit eifrig beschäftigen Presepiatts vor mir: die die hämmern, die sägen, die schweissen, die messen, die aufräumen, niemand bleibt untätig: Wie durch Zauberhand geschaffen,ragen Pfähle hervor, Dächer decken sich, Häuschen, Gassen, Bogen und Hoftüren nehmen Gestalt an... Stimmen kreuzen sich, Rufe, Befehle, Neckereien, ungezwungene lustige Witze antworten auf den Satz von diesem oder auf den unfreiwilligen Fehler von jenem... Dann kommt die Arbeitspause um das Feuer herum, mit einem Brötchen und ein gutem Gläschen Wein. Mir wurde erklärt, wie die Verpflegung manchmal hier ankommt, von jemanden der nicht mitarbeitet, der aber trotzdem auf seine Art und Weise mitmachen will. Ich bin im Laufe der Woche zurückgekommen: die selbe Bühne, neue Schauspieler. Jetzt ist es die Rentnerabteilung, die die Arbeit weiterführt. Eine etwas ruhigere Stimmung, jedoch nicht weniger kreativ und fruchtbar. Vielleicht ändern sich die Gespräche: die sind ruhiger, manchmal sogar eher zu ernst, man spricht über Kinder, Enkel, Gesundheit, Familienprobleme. Die Erinnerungen an die zurückliegenden Arbeiten, an die gebrachten Opfer, an das harte frühe Aufstehen kehren zurück. Man vergleicht Erfahrungen, während jemand sorgenfrei singt. Während gestikuliert wird, schreit die Trennscheibe auf, der Hammer schlägt, der Zement wird gegossen, und das Ergebnis ist wertvoller denn je“.
Das funktionierende Zusammenspiel mit dem, der das Drehbuch vorbereitet hat und denjenigen, die neue Lösungen suchen und mit viel Phantasie neue Effekte schaffen, ermöglicht die neue Veranstaltung. Diese ist am Abend den 24. Dezember für den morgigen Tag bereit. Dazu muss man auch erwähnen, dass am Nachmittag des 1. Weihnachtstages (während man normalerweise noch bequem am Tisch sitzt) etwa dreißig Presepiatts pünktlich zur Erstaufführung erscheinen, manchmal noch mit einem Stück Panettone in der Hand...


Die traditionellen Krippen

Der andere wichtige, typische weihnachtliche Teil des Brauchtums sind die traditionellen Krippen. Seit der ersten Veranstaltung werden neben dem Live-Krippenspiel statische Krippenmodelle aufgebaut, welche der Tradition aus Bergamo folgen. Oft bezieht sich das Thema dieser Krippen auf das der Aufführung, so entstehen Kontinuität und Zusammenhang zwischen den beiden Teilen.
In den letzten Zehn Jahren wurden diese Modelle in einer dafür vorgesehenen Halle aufgebaut, durch die die Zuschauer am Ende der Aufführungen geführt werden. Die verschiedenen Schöpfer dieser Krippe ergänzen sich wunderbar: der sorgfältige Gestalter der originellen Kulissen und der leidenschaftliche Modellbauer der Holznachbauten von berühmten Denkmalen. Ihr handwerkliches Können erlaubt es, zusammen mit der geschickten Licht- und Wasserführung, ein klassisches, von den Zuschauern bewundertes und beneidetes Krippenspiel zu gestalten, dessen unzählige Details lange betrachtet werden.
Der Bau dieser Krippe dauert beinahe genauso lang wie der Bau der Bühne des Live-Krippenspiels.


Die letzte Vorbereitungen

Während die letzten Sachen bei der Zsene zu Ende gebracht werden, muss man noch nach vielen Details überlegen, z.B. wie man eine lebendige Krippe lebendig macht!
Einige Tage vorher fuhren wir einige Proben um die Bewegungen der Schauspielern mit dem leitenden Text zu synchronisieren: neulich haben wir komplexere Bühnegestaltungen hinzugefügt und man muss die Szenenwechseln koordinieren und die Gestaltungen für das Playback perfekt vorbereiten.
Ein weiteres Problem heißt... die Familien zu überzeugen, die in jenem Jahr ein Sohn getauft haben, die Heilige Familie darzustellen. Jeden Tag gibt es etwa zwölf Vorstellungen jeden vier Stunden und wir brauchen die Zeiten von möglichst mehr Familien zu koordinieren, um ihre Verpflichtung nicht zu belasten. Man muss hier auch sagen dass kein Christuskind jemals krank geworden ist, obwohl die Kinder mit beißender Kälte oder sogar Schnee aufführen!
Unter den Leuten, die nie auf der Bühne zu sehen sind, gibt es diejenige die Kostümen und Magenverstärkung für die Schauspielern vorbereiten, die Besucher willkommen heißen und den Weg vom Parkplatz bis zur Tribüne zeigen.
Eine weitere tägliche Arbeit heißt, die vielen Tiere zu versorgen: den Esel, den Ochse, die Schafe, die Ziegen, die Küchen, die Hennen, die Kaninchen und manchmal auch die Schweine. Wir verfügen über Stallknechte, die diese Ausgabe gerne erfüllen und die die Tiere so gerne haben, dass sie ihnen einen Namen geben...

Zum Schluss...

Aber es ist noch nicht alles!
Am zweiten Sonntag im Januar enden die Veranstaltungen und man muss die ganze Struktur ausbauen und das Material ordentlich einlagern. Normalerweise bis ende Februar ist das Feld komplett frei, wo die Krippe gebaut wurde.
Man kann deutlich verstehen wie die „Krippe-Maschine” ziemlich kompliziert ist, aber die Begeisterung überwindet immer die Schwierigkeiten und hat das Krippenspiel von Venegono Inferiore erlaubt, einen hoch Qualitätstand zu behalten. Jedes mal, wenn wir denken, die beste Qualität erreicht zu haben, schaffen wir es immer, etwas noch spektakulärer vorzustellen. Die Wertschätzung des Publikums, das unsere Krippe jedes Jahr besucht, ist das Beweis dafür.


 

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